Die „Stierblutprobe“ ist ein sehr leicht durchführbarer und eindeutiger Nachweis. Auch kleine Mengen Thiocyanat erzeugen die intensive blutrote Färbung.
Benötigte Materialien
- Sodaauszug der Analysensubstanz
- verdünnte Salpetersäure ($\ce{HNO3}$, etwa $12\,\%$)
- Eisen(III)-chlorid-Lösung $(\ce{FeCl3})$
- Reagenzglas
Durchführung
Die Durchführung dieses Nachweises ist, wie bereits gesagt, sehr leicht. Zuerst säuert ihr den Sodaauszug mit verdünnter Salpetersäure $(\ce{HNO3})$ leicht an, dann gebt ihr einige Tropfen einer Eisen(III)-chlorid-Lösung $(\ce{FeCl3})$ hinzu. Bei Vorhandensein von Thiocyanat-Anionen färbt sich die Lösung tiefrot.
$$ \ce{3SCN^- (aq) + Fe^{3+}(aq) + 3H2O(l) -> [Fe(SCN)_3(H2O)_3] (aq)} $$
Video der Durchführung
Störungen
Fluorid $(\ce{F-})$, Phosphat $(\ce{PO4^{3-}})$, Arsenat $(\ce{AsO4^{3-}})$ und Oxalat $(\ce{C2O4^{2-}})$ können den Nachweis stören. Dies ist aber leicht zu umgehen, indem ihr einfach Eisen(III)-chlorid im Überschuss zugebt.
Schwerer zu umgehen sind zwei weitere Störungen. Zum einen sind uns Oxidationsmittel begegnet. Der Schwefel im Thiocyanat ist auf seiner niedrigsten Oxidationsstufe $(\ce{-II})$ und kann entsprechend oxidiert werden. Wir haben erlebt, dass beim starken Erhitzen schon die verdünnte Salpetersäure, mit der man ansäuert, zur Oxidation ausgereicht hat und kein Thiocyanat mehr nachweisbar war. Andere Oxidationsmittel in der Analyse (etwa Peroxide, Permanganat oder Chromat) mögen das Gleiche bewirken, dies konnten wir allerdings noch nicht explizit nachweisen.
Leider findet sich in der Literatur nichts zu dieser Störung und uns war es, wie gesagt, bisher ebenfalls nicht möglich, ihre genauen Umstände zu klären. Es bleibt also noch zu klären, was bei vorhandenen Oxidationsmitteln passiert.
Zum anderen kann Nitrit $(\ce{NO2-})$ einen falsch positiven Nachweis verursachen: Im Sauren bildet es mit Thiocyanat das rote Nitrosylthiocyanat $(\ce{NOSCN})$. Dessen Färbung ist allerdings weniger blutrot als die des Eisen(III)-thiocyanat-Komplexes.
$$ \ce{HNO2 + H+ + SCN- -> NOSCN + H2O} $$
Wie gut ist der Nachweis?
Die „Stierblutprobe“ ist recht eindeutig und lässt – in der Regel – keinen Raum für falsche Interpretationen. Tritt die blutrote Färbung auf, habt ihr sicher Thiocyanat in eurer Analyse.
Zuverlässigkeit: hoch, der Nachweis ist wenig störanfällig